Sollten wir auf der Rückseite des Mondes siedeln?
Die Rückseite des Mondes sieht so ganz anders aus als der Anblick, den wir vom Blick in den Nachthimmel kennen. Das wissen wir seit den ersten Bildern, die 1959 von einer sowjetischen Mondsonde aufgenommen wurden. Die erdabgewandte Seite ist von Kratern übersät und die großen Mare, aus Basalt bestehende Ebenen, fehlen nahezu vollständig. Auch ist die Mondkruste auf der Rückseite mehrere zehn Kilometer dicker. Doch was hat diesen drastischen Unterschied in der Geologie verursacht?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir kurz auf die kosmische Katastrophe eingehen, die zur Entstehung unseres Mondes führte. Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren stieß Theia, ein innerhalb der Erdbahn umlaufender marsgroßer Planet, mit der Erde zusammen. Aus dem ins All geschleuderten Material Theias und der Urerde bildete sich der Mond. Überreste Theias befinden sich übrigens immer noch unter unseren Füßen, tief im Mantel unter dem Pazifik und Afrika. Das jedenfalls schließen Seismologen aus ihren Messungen und Computersimulationen.
Ursprünglich wurden die Unterschiede der Mondhälften den Gezeitenkräften der Erde zugeschrieben. Diese wirken stärker auf die uns zugewandte Seite und sollen dort Basalt-Austritte verursacht haben. In 2014 hat dann ein Team der Pennsylvania State University eine neue Erklärung vorgeschlagen:
Nach der Mondentstehung befand sich unser Trabant sehr viel näher an der Erde, der Abstand betrug weniger als ein Zehntel des heutigen. Da sich die gebundene Rotation des Mondes schon damals eingestellt hatte, heizte die bis zu 2500 °C heiße Urerde die ihr zugewandte Mondseite mit ihrer Strahlung auf. Immer wieder brach dabei nach Einschlägen großer Asteroiden die basalthaltige Lava durch die relativ dünne Kruste. Auf der erdabgewandten Seite dagegen kondensierte das Material schnell zu einer dicken Kruste.
(Supermoon in Washington, credit: NASA/Bill Ingalls)
Seitdem die chinesische Mission Chang'e-6 in 2024 Proben von der Rückseite zur Erde gebracht hat, wissen wir auch, dass sich die Zusammensetzung von Kalium und Eisen deutlich von Proben der Vorderseite unterscheidet. Auf der Rückseite gibt es weniger leichte Isotope. Dies lasse sich nach Ansicht der chinesischen Forschungsgruppe nur durch Einschläge großer Asteroiden erklären. Die dabei freigesetzte Hitze habe vorwiegend leichte Isotope verdampft und ins All entweichen lassen.



Ein faszinierendes Thema. Die geologischen Unterschiede der Mondrückseite machen sie wissenschaftlich besonders spannend.
AntwortenLöschenJa. das finde ich auch. Und wenn man sich vorstellt, wir wissen darüber erst seit Ende der fünfziger Jahre, bekomme ich eine Gänsehaut.
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