1 Mio. Menschen auf dem Mars bis 2050?


(Solar wind on Mars, credit: NASA/PL/GSFC, MGS = Mars Global Surveyor)

In 2050 sollen laut Elon Musk schon 1 Mio. Menschen als Selbstversorger auf dem Mars leben. Mit dieser Prognose hat sich der demokratiefeindliche Tech-Milliardär, der auch gerne mal faschistische Parteien in Europa unterstützt, ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Doch mal abgesehen von der Zeitleiste (inzwischen ist er ja zurückgerudert), können Menschen überhaupt längere Zeit auf dem Mars überleben? Dazu ein kurzer Abriss über Geschichte und Umweltbedingungen des roten Planeten.

Vor etwa 4,5 bis 3,8 Mrd. Jahren besaß der Mars eine dichte, überwiegend aus CO2 bestehende Atmosphäre und freies Wasser. Bis zu 1/3 der Oberfläche waren damals wohl von  riesigen Ozeanen, Seen und weitverzweigten Flusssystemen bedeckt. Doch nach und nach verlor der Planet sein schützendes Magnetfeld und der Sonnenwind konnte ungehindert die Gashülle zerstören und ins All befördern. Das Wasser verdampfte oder gefror im Boden. Vor etwas 3 Mrd. Jahren gab es dann nur noch gelegentlich flüssiges Wasser an der Oberfläche, etwa nach Vulkanausbrüchen oder Meteoriteneinschlägen. Heute beträgt der Druck der Marsatmosphäre nur noch 1% des irdischen Pendants. 

Der Dynamo im Marsinneren ist zum Erliegen gekommen. Es gibt kein globales Magnetfeld mehr, sondern lediglich magnetische Restanomalien durch die früher erfolgte Magnetisierung von altem Krustengestein. Ein großer Teil des Kerns ist immer noch flüssig. Doch warum hat der Dynamo dann seinen Dienst verweigert? Eine thermisch isolierende Schicht aus geschmolzenen Silikat verhindert, dass der Kern genug Hitze abgibt, um die für ein Magnetfeld erforderlichen Dynamoströmungen zu erzeugen. Der isolierende Effekt des Silikats könnte aber bei weiterer Abkühlung des Planeteninneren wieder verschwinden und erneut ein Magnetfeld entstehen lassen. Wir reden da aber von einem Vorgang, der über mehrere hundert Mio. Jahre abläuft. Also eher kein Hoffnungsschimmer für die geplante Besiedlung.

Hat es einmal Leben auf dem roten Planeten gegeben? Möglicherweise. Die Geschichte der Erde zeigt, einfache Lebensformen können sich innerhalb weniger hundert Mio. Jahre entwickeln. Gab es dort einmal eine eigenständige technische Zivilisation? Wohl nicht, dafür war das Klima nicht lange genug stabil.

Auf dem Mars werden die Siedler eine ziemlich lebensfeindliche Umgebung vorfinden, deutlich schlimmer als im Smog unserer Großstädte. Auf der Oberfläche kann man sich nur in Druckanzügen bewegen. Wegen der Strahlenbelastung werden diese Ausflüge zeitlich begrenzt sein. Das Leben wird sich überwiegend in den Untergrund zurückziehen, der Sauerstoff zum Atmen muss ständig nachproduziert werden. Und im Gegensatz zum Mond ist die Atmosphäre dummerweise immer noch dicht genug, um monatelange Sandstürme zu erzeugen, die große Teile des Planeten erfassen können. Solarpanels mögen das überhaupt nicht. Auch für die Landwirtschaft auf dem Mars gibt es schlechte News. Die Sonde Phoenix hat im Boden giftiges Perchloratsalz gefunden. Sollte es also einmal einen Klon von Andy Weird dorthin verschlagen, könnte der Kartoffelanbau ein tragisches Ende nehmen.

Wen das alles nicht abschreckt, und auch die Strahlenbelastung der Hinreise halbwegs gesund überstanden hat (die NASA veranschlagt für den Trip 9 Monate), muss sich über ein weiteres Problem im Klaren sein. Ein Mensch mit irdischen 80 kg wiegt auf dem Mars nur noch 30 kg. Dadurch baut das Skelett stark ab, was eine Rückkehr nach mehrjährigem Aufenthalt wohl ausschließt. Das macht auch ein Terraforming schwierig: Die Atmosphäre müsste ständig nachgeliefert werden, gegen den an ihr zerrenden Sonnenwind und die Diffusion ins All aufgrund der geringen Schwerkraft.

Aber wir wollen nicht nur meckern: Die Drehachse des Mars (aktuell 25 °) hat eine ähnliche Neigung wie ihr irdisches Pendant (23,5 °) Es gibt also auch auf dem Mars einen soliden Wechsel der Jahreszeiten. Hurra! 
(da aber ein großer Mond zur Stabilisierung fehlt, schwankt die Neigung der Marsachse langfristig stark)

Was meint ihr, wer würde sich für eine Umsiedlung auf den Mars entscheiden?

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